Allgemeine Muskelpathologien (MiM, MFM PSSM)
Definition der Pathologie
In der Praxis begegnen uns unter Begriffen wie PSSM, PSSM2, MiM oder MFM häufig Sammelbezeichnungen für Pferde mit ähnlichem Beschwerdebild: Der Muskel reagiert unter Belastung „zu empfindlich“ – mit Steifheit, Schmerz, Leistungsabfall und teils akuten Episoden (tying-up/Kreuzverschlag-ähnlich).
Kritisch betrachtet ist das in Teilen ein universitäres/diagnostisches Relabeling: unterschiedliche Namen, teilweise überlappende Kriterien, teils unvollständig geklärte Ursachen – aber ein vergleichbares klinisches Muster.

Einzige klare Ausnahme in der Begriffswelt: PSSM1 ist genetisch sauber definiert (GYS1-Mutation) und damit mechanistisch greifbarer als die übrigen Labels. (UC Davis VGL, o. J., „Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM1)“: https://vgl.ucdavis.edu/test/pssm1)
Pathogenese / Ätiologie (vereinfacht, hier geht's am Ende um Vitalpilze, nicht um Nomenklatur)
- PSSM1: Der Muskel speichert/produziert zu viel Glykogen (Zuckerspeicher) – das kann bei Arbeit zu Muskelschädigung und „tying-up“ beitragen. (UC Davis VGL, o. J., „PSSM1“: https://vgl.ucdavis.edu/test/pssm1)
- Alles andere („PSSM2/MiM/MFM“-Spektrum): Die Ursachen gelten als heterogen (mehrere mögliche Mechanismen, z. B. auch strukturelle Veränderungen im Muskel). Für die Praxis ist oft wichtiger: Trigger erkennen und die Muskelfunktion stabilisieren, statt sich am Label aufzuhängen. (Valberg et al., 2017, „Clinical and histopathological features of myofibrillar myopathy in Warmblood horses“: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5640499/)
Typische Symptome (Hier Schwerpunkt)
Diese Symptome sind das, was die unterschiedlichen Etiketten klinisch „zusammenführt“:
- Leistungsabfall / Bewegungsunlust, schnelle Ermüdung
- Steifheit, „fest werden“, verkürzte Tritte, Muskelzittern
- Belastungsabhängige Schmerzen oder krampfartige Episoden („tying-up“, Kreuzverschlag-ähnlich)
- Wechselnde Gangbildauffälligkeiten, manchmal ohne klaren orthopädischen Lokalbefund
- In akuten Schüben möglich: stark verspannte Muskulatur, Schwitzen, deutliche Schmerzzeichen, ggf. dunkler Urin (Myoglobin) --> siehe Leitfaden Kreuzverschlag.
- Kontext „tying-up“ und typische Zeichen bei PSSM-Spektrum: (University of Minnesota Extension, o. J., „Polysaccharide storage myopathy (PSSM) in horses“: https://extension.umn.edu/horse-health/polysaccharide-storage-myopathy-pssm)
Diagnose & wichtige Differentialdiagnosen (kompakt)
Diagnose kann helfen, ist aber für den praktischen Ansatz nicht immer entscheidend.
- PSSM1: Gentest (GYS1) ist sinnvoll, weil klar definierbar. (UC Davis VGL, o. J.: https://vgl.ucdavis.edu/test/pssm1)
- „PSSM2/MiM/MFM“-Labels (z.B. Varianten P2, P3a, P3b und P4): Die exakte Zuordnung ist oft uneinheitlich; kommerzielle Panel-Gentests korrelieren in einer Validierungsarbeit nicht zuverlässig mit einer histopathologischen Diagnose. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pferd eine dieser Varianten trägt, liegt allein durch Zufall bei etwa 25–29 %, unabhängig davon, ob es krank ist oder nicht. (Valberg et al., 2021, „Commercial genetic testing… does not correspond…“, Equine Veterinary Journal: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32896939/)
Differentialdiagnosen, weil das Symptombild unspezifisch ist:
- Orthopädie/Wirbelsäule (z. B. Rückenprobleme, ISG-Region, Kissing Spines)
- Nährstoffstatus (v. a. Vitamin E/Selen) und Managementtrigger (lange Ruhe, plötzliche Mehrarbeit)
- Akute Exertional Rhabdomyolyse als Ereignis („klassischer Kreuzverschlag“)
- Eine Borreliose-Infektion.
- Wirbelsäulenprobleme wie Kissing Spines (sich berührende Dornfortsätze).
- Satteldruck oder unpassendes Equipment, das Schmerzen verursacht.
Therapie mit Vitalpilzen
Unabhängig davon, ob das Pferd am Ende unter PSSM1 oder einem „PSSM2/MiM/MFM“-Spektrum läuft: In der Praxis zählt, dass das klinische Muster beherrschbar wird – also weniger Steifheit, weniger „Festwerden“, weniger krampfartige Episoden, bessere Belastbarkeit und schnellere Regeneration.
Die Vitalpilztherapie wird dabei nicht als Ersatz für Training/Fütterungsmanagement verstanden, sondern als adjuvanter Baustein, der über wenige, klare Wirkachsen die Symptomlast senken soll.

Der Muskelstoffwechsel soll stabilisiert, oxidativer Stress reduziert und die Energiebereitstellung unter Belastung verbessert werden.
Im Vordergrund steht nicht die Diagnose, sondern die klinische Entlastung der Muskulatur: weniger Steifheit, bessere Belastbarkeit, schnellere Regeneration.

Reishi – der mitochondriale Schutzschild
Bei chronischen Muskelstoffwechselstörungen sind die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle) dauerhaft hoch belastet. Reishi wirkt hier vor allem indirekt schützend, indem er oxidativen Stress reduziert und entzündliche Begleitprozesse moduliert.
Zugleich unterstützt Reishi die Leberfunktion, die bei wiederkehrenden Muskelschäden vermehrt Stoffwechsel- und Abbauprodukte verarbeiten muss. Eine stabile Leberfunktion ist eine zentrale Voraussetzung für einen ausgeglichenen Muskelstoffwechsel und eine gute Regeneration. und stärkearme Diät umgestellt werden müssen.

Pleurotus – Antioxidans & muskuläre Entlastung
Pleurotus wird in der Praxis insbesondere zur Lösung muskulärer Steifheit und zur funktionellen Entlastung der Muskulatur eingesetzt. Seine Wirkung ist dabei weniger pharmakologisch-relaxierend, sondern eher regulierend auf den Muskeltonus bei stoffwechselbedingter Überlastung.
Besonders relevant ist sein Gehalt an Ergothionein und Glutathion. Beide sind zentrale zelluläre Antioxidantien, die Muskelzellen vor oxidativen Schäden schützen. Gerade bei gestörtem Energiestoffwechsel entstehen vermehrt reaktive Sauerstoffspezies, die die Muskulatur zusätzlich „fest“ werden lassen – hier setzt Pleurotus stabilisierend an.

Shiitake – Energie- und Ermüdungsmanager
Shiitake unterstützt die metabolische Nutzung von Fetten. Da viele Pferde mit PSSM/MiM-typischem Beschwerdebild auf eine stärke- und zuckerreduzierte, fettreichere Fütterung eingestellt werden, hilft Shiitake dabei, diese Energiequelle effizienter in den Gesamtstoffwechsel einzubinden.
Unter Belastung kann Shiitake dazu beitragen, dass metabolische Nebenprodukte (u. a. im Zusammenhang mit Laktatbildung) besser abgepuffert und verarbeitet werden. Das verzögert die metabolische Ermüdung, reduziert das Risiko eines „Übersäuerns“ der Muskulatur und beugt dem typischen Verhärten nach Arbeit vor.


