Vitalpilztherapie bei Atemwegserkrankungen – Titelgrafik des Fachbeitrags

Vitalpilztherapie bei Atemwegserkrankungen

Grundlagen, Wirksamkeit und praxisorientierte Anwendung beim Pferd

(Vortrag auf der 2. Equi Vital Expo, Eckernförde am 1. Februar 2026, hier der Foliensatz zum Download)

Im Rahmen der Equi Vital Expo in Eckernförde habe ich einen Fachvortrag zur integrativen Atemwegstherapie beim Pferd gaehalten. Im Zentrum standen equines Asthma sowie infektiöse Atemwegserkrankungen und die Frage, welchen Stellenwert Vitalpilze in einem modernen, klinisch fundierten Therapiekonzept einnehmen können. Der Vortrag basierte inhaltlich auf dem Leitfaden zur Vitalpilztherapie bei equinem Asthma und infektiösen Atemwegserkrankungen und überträgt dessen Kernaussagen konsequent in die Praxis. 

Vitalpilztherapie bei Atemwegserkrankungen des Pferdes – Übersicht

Vom Begriff COPD zum Krankheitsbild „Equines Asthma“

Die veterinärmedizinische Einordnung chronischer Atemwegserkrankungen beim Pferd hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Veraltete Begriffe wie COPD, COB oder RAO wurden zugunsten des Sammelbegriffs „Equines Asthma“ abgelöst. Dieser beschreibt eine chronische, nicht-infektiöse Entzündung der unteren Atemwege, die heute in mild-moderate und schwere Verlaufsformen differenziert wird. Entscheidend ist aber nicht die terminologische Feinheit, sondern das Verständnis der zugrunde liegenden Pathophysiologie und der Haltungsbedingungen, unter denen die Erkrankung entsteht und persistiert.

Krankheitsbild und pathophysiologische Einordnung des equinen Asthmas

Symptome, Warnsignale und auslösende Faktoren

Typische klinische Zeichen des equinen Asthmas sind chronischer Husten (trocken oder produktiv), Nasenausfluss, abnorme Atemgeräusche wie Rasseln oder Giemen sowie ein deutlicher Leistungsabfall mit verlängerten Erholungsphasen. In fortgeschrittenen Fällen kommt es zur sogenannten Dampfrinne als Ausdruck der chronisch erhöhten Atemarbeit.
Als zentrale Auslöser gelten inhalative Umweltfaktoren: Staubpartikel unter 5 µm, Schimmelsporen, Pollen sowie Endotoxine, insbesondere aus belastetem Heu. Ergänzend rückt zunehmend die Darm-Lunge-Achse in den Fokus. Dysbiosen im Darm können entzündungshemmende Fettsäuren reduzieren und so die pulmonale Entzündungsbereitschaft weiter befeuern.

Zusammenhang von Atemwegssymptomen, Auslösern und Darm-Lunge-Achse beim Pferd

Wirkprinzipien der Mykotherapie

Die Mykotherapie vereint traditionelle, tausende Jahre alte Erfahrungsmedizin mit modernen immunologischen Erkenntnissen. Ihre Effekte lassen sich meiner Meinung nach am besten in direkte und indirekte Wirkmechanismen gliedern. Direkt wirken Vitalpilze entzündungshemmend, antioxidativ und zellschützend, teils auch antimikrobiell oder sogar antiviral, was sehr selten ist. Indirekt entfalten sie ihre Wirkung über die Darmgesundheit, indem sie präbiotisch auf das Mikrobiom einwirken, sowie über die Immunmodulation durch Beta-Glucane oder Polysaccharide, die insbesondere bei allergischen Reaktionen von Bedeutung sind.

Wirkmechanismen der Mykotherapie bei Atemwegserkrankungen

Das Basis-Duo: Reishi und Cordyceps

Im Vortrag wurde Reishi (Ganoderma lucidum) als entzündungshemmende Basis der Atemwegstherapie vorgestellt. Seine Stärke liegt in der Regulation chronischer Entzündungsprozesse, der Unterstützung der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems sowie in der Hemmung der Histaminausschüttung bei allergischer Reaktionslage.

Reishi und Cordyceps als Basis-Duo im mykotherapeutischen AtemwegskonzeptCordyceps (Cordyceps sinensis) ergänzt diese Basis funktionell. Er unterstützt die Bronchien, verbessert die Sauerstoffaufnahme, fördert die zelluläre Energiegewinnung (ATP) und wirkt leistungsstabilisierend. In Kombination bilden Reishi und Cordyceps eine tragfähige Grundtherapie für nahezu alle Atemwegspathologien beim Pferd.

Basisrezept mit Reishi und Cordyceps für Atemwegserkrankungen des PferdesErweiterungen bei Infekt und Allergie

Bei akuten infektiösen Atemwegserkrankungen kann die Basiskombination gezielt erweitert werden.

Coriolus und ABM als Ergänzungen bei infektiösen beziehungsweise allergischen AtemwegsproblemenCoriolus versicolor (Trametes versicolor) wurde als antiviraler und antibakterieller Spezialist vorgestellt, der die Schleimhautabwehr stärkt und die Infektabwehr unterstützt, insbesondere bei viralen Erkrankungen wie Influenza oder Herpes.

Erweiterung des mykotherapeutischen Konzepts bei akuten Atemwegsinfektionen
Bei allergischem Asthma hingegen steht die Modulation eines überschießenden Immunsystems im Vordergrund. Hier kommt ABM (Agaricus blazei Murill) zum Einsatz. Durch seinen hohen Gehalt an Beta-Glucanen wirkt er u.a. regulierend auf die Th1/Th2-Balance und kann bei saisonalen Allergien, Heuschnupfen und chronisch allergischem Asthma stabilisierend eingesetzt werden.

Erweiterung des mykotherapeutischen Konzepts bei allergischem Asthma

Anwendung, Dosierung und Einschleichstrategie

Ein zentrales Element der sicheren Anwendung ist das konsequente Einschleichen. In der Praxis hat sich ein stufenweises Vorgehen bewährt: Beginnend mit 25 % der Zieldosis in der ersten Woche, Steigerung auf 50 % in Woche zwei, 75 % in Woche drei und Erreichen der vollen Dosis ab Woche vier. Die empfohlene Therapiedauer beträgt mindestens acht bis zwölf Wochen, Standardkuren liegen bei etwa drei Monaten. Für die Kombination mit Cortison oder Bronchodilatatoren sind keine relevanten Wechselwirkungen bekannt.

Ich empfehle aber dringend die Nutzung des wesentlich präzisieren Dosierungsrechners der Mycelium Pilzkraft GmbH, hier verlinkt.

Anwendung, Dosierung und Einschleichstrategie für Vitalpilze bei Atemwegserkrankungen

Sicherheit, Kontraindikationen und Dopingrelevanz

Trotz ihrer guten Verträglichkeit sind Vitalpilze nicht frei von Kontraindikationen. Vorsicht ist geboten bei bekannter Allergie gegen Pilzeiweiß, während der Trächtigkeit sowie bei schweren Leber- oder Nierenerkrankungen ohne fachliche Begleitung. Cordyceps sollte bei hormonell bedingten Neoplasien vermieden werden.
Für Sportpferde ist die Dopingproblematik relevant. Vitalpilze gelten im Wettkampf als verbotene Substanzen, weshalb eine Karenzzeit von mindestens 48 Stunden vor dem Start einzuhalten ist. Eine individuelle Prüfung der jeweiligen Regularien bleibt unerlässlich.

Sicherheit, Kontraindikationen und Dopingrelevanz bei Vitalpilzen im Pferdesport

Flankierende Maßnahmen: Das Umfeld entscheidet

Ein wiederkehrender Kernpunkt des Vortrags war die klare Aussage, dass Vitalpilze nur dann wirken können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Staubreduktion durch gewässertes oder bedampftes Heu, frische Luft, angepasste Haltung, Bewegung, begleitende Phytotherapie und Akupunktur sind integrale Bestandteile eines ganzheitlichen Konzepts. Ein Realitätscheck ist notwendig: Kein Vitalpilz kann kompensieren, was durch einen dauerhaft staubigen Stall verursacht wird.

Flankierende Haltungs- und Managementmaßnahmen bei Atemwegserkrankungen des Pferdes

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Reishi und Cordyceps bilden eine solide Basis für die Atemwegstherapie beim Pferd. Bei Infekten wird diese Basis sinnvoll durch Coriolus ergänzt, bei allergischem Asthma durch ABM.

Zusammenfassung des mykotherapeutischen Atemwegskonzepts beim Pferd

Der therapeutische Erfolg hängt jedoch nicht allein von der Pilzauswahl ab, sondern von drei entscheidenden Faktoren: einer stabilen Darmgesundheit, optimierten Haltungsbedingungen und einer langsamen, individuell angepassten Dosierungssteigerung.

Abschließend möchte ich nochmal auf die Möglichkeit zur Weiterbildung für Therapeuten und Tierbesitzer in Sachen Mykotherapie hinweise. Ich engagiere mich in dem Verein Zukunft Tiergesundheit und habe mit der dazugehörigen Akademie Tiergesundheit 5.0  eine eigenständige Ausbildungsreihe Mykotherapie ins Leben gerufen.

Weiterführende Ressourcen und Kontaktmöglichkeiten zur Mykotherapie bei Atemwegserkrankungen

Zurück zum Blog

Transparenz, Produktinformation & Dosierung

Transparenz und Produktinformation: Ich bin Gesellschafter und fachlicher Berater der Mycelium Pilzkraft GmbH. Wenn auf Vet-Jedi konkrete Mycelium-Produkte verlinkt sind, dient dies zugleich der nachvollziehbaren Angabe der von mir verwendeten beziehungsweise gemeinten Produkte. Diese wirtschaftliche und fachliche Verbindung mache ich bewusst transparent.

Bezugsquelle: Weiterführende Produktinformationen finden Sie bei Mycelium Pilzkraft.

Verabreichung: Vitalpilze sollten grundsätzlich langsam eingeschlichen werden. Ausführliche Hinweise zur Anwendung, zum Einschleichen und zu möglichen Reaktionen finden Sie im Anwendungsleitfaden von Mycelium.

Therapiedauer: Die Dauer richtet sich nach Ausgangslage, Zielsetzung und individuellem Verlauf. Die in Beiträgen genannten Zeiträume sind fachliche Orientierungswerte und keine allgemeingültige Therapieanweisung.

Dosierung: Für Hund, Katze und Pferd steht der Vitalpilz-Dosierungsrechner von Mycelium Pilzkraft zur Verfügung.

Therapeutische Begleitung: Wer eine fachliche Begleitung sucht, findet über das Mycelium-Therapeutennetzwerk weitere Ansprechpartner.

Vitalpilztherapie bei equinem Asthma & Atemwegsinfekten

Ein letzter, wichtiger Hinweis des Autors

Hinweis zur Einordnung

Die Inhalte auf Vet-Jedi dienen der fachlichen Information und der Einordnung wissenschaftlicher Literatur, traditioneller Anwendung und praktischer Erfahrungen. Sie stellen keine individuelle Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung.

Die wissenschaftliche Evidenz unterscheidet sich je nach Vitalpilz, Spezies und Anwendungsgebiet. Präklinische Ergebnisse, klinische Studien und eigene Praxisbeobachtungen werden deshalb soweit möglich getrennt voneinander eingeordnet.

Transparenzhinweis: Tom Steinmetz ist Tierheilpraktiker sowie Gesellschafter und fachlicher Berater der Mycelium Pilzkraft GmbH. Diese wirtschaftliche Verbindung wird aus Gründen der Transparenz offengelegt.